Tod nach Folter in Istanbul

Engin Ceber war 29 Jahre alt

Einleitung

An den Folgen mutmaßlicher Folter durch Polizisten, Gefängniswärter und Gendarmerie ist ein Mann vergangenen Freitag in einem Istanbuler Krankenhaus gestorben. Der 29-jährige Engin Ceber war am 28. September bei Protesten verhaftet worden. Diese richteten sich gegen die anhaltende Straflosigkeit der türkischen Behörden im Fall von Ferhat Gerçek protestiert. Der 18-Jährige Ferhat Gerçek war am 7. Oktober 2007 von der Polizei angeschossen und schwer verletzt worden.

Hintergrund

Amnesty International fordert eine sofortige, unabhängige und unparteiliche Untersuchung der Umstände des Todes von Engin Ceber. „Die Türkei hat ‚Null-Toleranz gegenüber Folter‘ verkündet – wann hält sie ihr Versprechen ein?“, sagte die Amnesty-Türkeiexpertin Amke Dietert.

Ceber war zusammen mit Özgür Karakaya, 22, und dem 18-jährigen Cihan Gün verhaftet worden. Ein Anwalt der drei Männer berichtete Amnesty International gegenüber, dass die Männer gefoltert worden seien. Sie seien auf der Polizeiwache und im Gefängnis wiederholt mit hölzernen Knüppeln geschlagen worden, hätten sich ausziehen müssen und seien in Wasser untergetaucht worden. Außerdem hätten sie Schläge und Tritte am ganzen Körper erhalten, auch auf die Genitalien. Diese Misshandlungen hätten mehrere Tage angedauert. Aufgrund der schweren Verletzungen, die er dabei erlitt, wurde Engin Ceber am 7. Oktober 2008 ins staatliche Bayrampasa-Krankenhaus gebracht und von dort ins Sisli-Etfal-Krankenhaus überführt, wo er am 10. Oktober starb.

„Die Vorwürfe der Folter an Özgür Karakaya und Cihan Gün müssen sorgfältig und unabhängig untersucht werden; die Verantwortlichen gilt es zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte Dietert. „Außerdem ist sicherzustellen, dass beide nicht weiter gefoltert oder misshandelt werden.“

Amnesty International wird die Eilaktion auch auf der Frankfurter Buchmesse verteilen. Unter dem Motto „TÜRKEI – FASZINIEREND FARBIG“ präsentiert sich das Gastland Türkei auf der Buchmesse. Allerdings drohen gerade Schriftstellern und Journalisten allein wegen der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung immer wieder Gefängnisstrafen – oft auf Grundlage des berüchtigten Paragrafen 301 („Beleidigung der türkischen Nation“). Amnesty fordert die türkische Regierung auf, alle Gesetze abzuschaffen, die die friedliche Meinungsäußerung unter Strafe stellen.

Besuchen Sie den Amnesty International-Stand auf der Buchmesse: Halle 3.1.E 121 oder schauen Sie vorbei bei der Podiumsdiskussion „Menschenrechte und Meinungsfreiheit in der Türkei“ auf der Buchmesse: Sonntag, 19.10.2008, 10.00 Uhr – 11.30 Uhr, Forum Dialog, Halle 6.1.E 913